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Van Richtens Ratgeber zu Ravenloft

Regeln: 5e Sprache: de

Buch-ID: van-richtens-ratgeber-zu-ravenloft · 258 Seiten

Seite 93 Abschnitte: 2

sind die Leute alle nur verzweifelte Elendsgestalten in den gnädigen Händen Ezras, die mit ihnen und um sie trauert. Eine herrliche Alabasterstatue von Ezra ziert das Heiligtum, Schwert und Schild beiseitegestellt, um das weinende Gesicht mit den Händen zu bedecken. THEATER ZUR ROTEN WITWE Die Rote Witwe ist ein Kabarett, das für lebhafte Musik, aufreizende Tanzdarbietungen und zwielichtige Geschäfte bekannt ist.

Das vordere Dach wird von der gigantischen Statue einer grellroten Spinne geziert, die eine schwarze Sanduhr auf dem Leib trägt und die Kundschaft in ihr dekadentes Netz einlädt. In diesem Schrein der dekadenten Freuden feiern die Gäste die S chönheit und das Leben, um der Armut und den Schrecken zu trotzen, die draußen auf sie warten. Doch das Theater birgt auch seine Schrecken: Seine abgeschiedenen Bereiche werden von Gestaltwandlern genutzt, um Beute zu machen.

Längst kursieren Gerüchte über gestaltwandelnde Riesenspinnen, die sich am nichtsahnenden Publikum laben, doch das tut der Beliebtheit des Theaters keinen Abbruch. KMHE 3.4: DEMENTLIEU. "- P, 1 11 ~ 1 l>(l I A ' ' V KRUMMGIEBEL Am Tenebrarum-Wald am Ende von Mühlenstraße lebt ein Zirkel aus grünen Vetteln in drei windschiefen Hütten.

Sie genießen es, im Leben der Bürger Dementlieus herumzupfuschen, sich als freundliche alte Mütterchen zu tarnen und mit ihrer Magie verarmten Leuten zu helfen, Adlige zu mimen oder am Großen Maskenball teilzunehmen. Ihr Preis wirkt unwiderstehlich, bis die Kunden den Haken an der Sache bemerken.

CHATEAUFAUX Die Leute in Port-a-Lucine sprechen oft von einem großen Landstrich in Dementlieu namens Chateaufaux, wo Adlige ihre Sommersitze unterhalten und florierende Höfe und Dörfer ihre Waren zum Verkauf in die Stadt schicken. Doch niemand hat die Stadt je verlassen, es treffen keinerlei Güter von außerhalb ein, und Chateaufaux existiert nicht. Die Nebel kriechen immer dichter an die Mauern von Port-a-Lucine heran. Gelegentlich sieht man Bäume und Wiesen, aber sonst nichts.

SAIDRA n'HoNAIRE Saidra d'Honaire wuchs nach dem Tod ihrer geliebten Mutter alleine mit ihrem Vater auf einem winzigen Hof auf. Ihre Vater nannte sie „Herzogin" und behauptete, er wäre ein Herzog, den sein böser kleiner Bruder aus seiner rechtmäßigen Heimat verbannt hatte. Dem jungen Mädchen gefiel es, sich deswegen über andere Bauern- kinder zu erheben und trotz der Umstände eine höhere Geburt zu behaupten.

Saidra hatte keine Freunde, aber viele Spielkameraden, da sie andere Kinder dazu zwang, sie zu unterhalten. Als sie ein Teenager war, heiratete ihr Vater eine wohlhabende Kauffrau mit zwei Töchtern, die ein paar Jahre älter als Saidra waren. Obwohl ihr Vater die drei Mädchen bat, einander zu lieben wie Schwestern, verachteten seine neue Frau und ihre Töchter Saidra, amüsierten sich über ihre Adelsbehauptungen und behandelten sie als Dienerin.

Die Familie litt keine Not, aber Saidra musste weiterhin in Lumpen gekleidet von morgens bis abends als Hausmädchen für ihre Stiefmutter und ihre Stiefschwestern arbeiten. Noch schlimmer wurde es, als Saidras Stiefmutter beiläufig den Tod eines Herzogs erwähnte, der in der Nähe regiert hatte. Saidra fragte, ob es sich bei dem Herzog um den bösen Bruder ihres Vaters handle und ob dies bedeute, dass dieser nun seinen Titel zurückbekomme.

Ihre Stiefmutter und ihre Stiefschwestern lachten sie aus, und ihr Vater gestand ihr die Wahrheit. Er war nur ein Diener des Herzogs gewesen und geflohen, als er beim Stehlen von Tafelsilber erwischt wurde. Saidra weigerte sich, diese bittere Wahrheit zu akzeptieren. Sie floh aus dem Haus zum Grab ihrer Mutter und flehte deren Geist an, ihr zu helfen. Da erschien eine freundliche, großmütterliche Figur und gewährte Saidras Wunsch.

Sie gab ihr ein herrliches Kleid und wunderbares Geschmeide für den Maskenball, bei dem der neue Herzog gekrönt werden sollte. Saidra begab sich in einer angemessen vornehmen Kutsche zum Ball, entschlossen, den Herzog zu töten und seinen Titel zu beanspruchen. Sie war so schön und glamourös, dass der neue Herzog sie unwiderstehlich fand und stundenlang mit ihr tanzte.

Saidra sah plötzlich eine Alternative zum Mord an ihm: Sie konnte den armen Tropf auch heiraten und die Herzogin werden, für die sie sich immer gehalten hatte. Doch als es Mitternacht schlug, wurden die Gäste plötzlich furchtbar krank und begannen zu sterben. Die Seuche erfasste auch Saidra und den Herzog. Als sie einander sterbend in den Armen lagen, machte der Herzog ein schicksalhaftes Geständnis: Er war nicht der Sohn des verblichenen Herzogs, sondern der Sohn eines seiner Diener.

Der Herzog konnte keine Kinder zeugen und verlangte den Säugling des Dieners, den er dann aufzog. Später wurde dieser Diener dabei erwischt, dass er Tafelsilber stahl, und er floh mit seiner kleinen Tochter. Saidra war außer sich, dass dieser „Herzog" auch nicht echter war als ihr Vater - und dass er auch noch ihr Bruder war. Sie zog ihren Dolch und trieb ihn dem Hochstapler ins Herz. Dann stolperte sie aus dem Palast, doch noch auf der Treppe starb sie an der Seuche.

Saidra kam auf dem nebligen Gelände ihres neuen

Herzog. Als sie einander sterbend in den Armen lagen, machte der Herzog ein schicksalhaftes Geständnis: Er war nicht der Sohn des verblichenen Herzogs, sondern der Sohn eines seiner Diener. Der Herzog konnte keine Kinder zeugen und verlangte den Säugling des Dieners, den er dann aufzog. Später wurde dieser Diener dabei erwischt, dass er Tafelsilber stahl, und er floh mit seiner kleinen Tochter.

Saidra war außer sich, dass dieser „Herzog" auch nicht echter war als ihr Vater - und dass er auch noch ihr Bruder war. Sie zog ihren Dolch und trieb ihn dem Hochstapler ins Herz. Dann stolperte sie aus dem Palast, doch noch auf der Treppe starb sie an der Seuche. Saidra kam auf dem nebligen Gelände ihres neuen Anwesens in Port-a-Lucine zu sich, endlich eine echte Herzogin, allerdings auch ein untoter Todesalb.

Wenn sie elegante Gewänder und eine kunstvolle Maske trägt, wird die offenkundige Lüge, sie wäre eine lebendige Frau, von ihrem Umfeld toleriert. Und gibt sie gerade keinen Maskenball, wirft sie die Kleidung ab und streicht als mörderischer Geist durch die Stadt, der als Roter Tod bekannt ist.

In beiden Formen hat sie dasselbe Ziel: Sie will die pompösen Narren demaskieren und zerstören, die zu sein vorgeben, was sie nicht sind, höhere Stellungen anstreben, als sie verdienen, und den Anschein von Normalität nicht wahren können. SAIDRAS KRÄFTE UND IHRE HERRSCHAFT Saidras Form ist so substanzlos wie ihre Ansprüche auf einen Adelstitel. Sie ist ein roter Geist mit den Werten eines Todesalbs.

Sie kann den Zauber Auflösung (SG-18- Rettungswurf) auf jede Kreatur wirken, die zu erkennen gibt, über ihre Identität gelogen zu haben. In ihrer Rolle als Herzogin trägt Saidra eine vogelartige Maske und modische rote Gewänder. Als Roter Tod ist sie nur ein rötlicher Schatten. Grenzen schließen: Wenn Herzogin Saidra die Grenzen ihrer Domäne schließt, heben die Nebel sich nicht. Wer die Domäne zu verlassen versucht, findet sich vielmehr in Chateaufaux wieder.

Hier stehen stattliche Häuser auf sanften Hügeln zwischen Ackerland und Weingütern, aber sie kommen niemals näher, egal, wie lange man reist. Und früher oder später finden die Reisenden sich immer vor den Mauern von Port-a-Lucine wieder. SAIDRAS QUAL Herzogin Saidra ist endlich die Adlige, die sie immer sein wollte, doch angesichts der Umstände kann sie das nicht genießen: Sie ist besessen von der Furcht, demaskiert zu werden und die Wahrheit ihrer Herkunft ans Licht gezerrt zu sehen.

Diese Furcht projiziert sie auf andere, die sie ihrer eigenen Sünden bezichtigt und mit Genuss als Hochstapler und Emporkömmlinge bloßstellt. Wenn sie als Roter Tod in den Straßen jagt, sucht sie ihre verlorene Familie. Ihren Vater verabscheut sie, vermisst ihn aber auch. Ihre Stiefmutter und ihre Stiefschwestern fürchtet sie noch immer. Gelegentlich erhält sie vage Briefe in ihrer Handschrift aus Chateaufaux.

Als Todesalb ist Saidra nicht in der Lage, die Freuden zu genießen, die mit ihrem Status verbunden sind. Wie herrlich die Feste auch sein mögen, die Tatsache ihrer wahren Form verdirbt jeden Augenblick der Scharade. ROLLENSPIEL: SAIDRA Herzogin Saidra benimmt sich, wie sie glaubt, dass reiche Leute sich benehmen. Sie verbirgt ihr mangelndes Weltwissen hinter Dekadenz, die von ihrem Umfeld rasch einen Modetrend verwandelt wird.

Ihr bemerkenswerter Jähzorn zeigt sich, sobald jemand sie dumm dastehen lässt oder ihrer Meinung nach seine rechtmäßige soziale Stellung verlassen hat. Persönlichkeitsmerkmal: ,,Ich bin unerbittlich mit meinen Untergebenen und allen, die ihren Platz nicht kennen." Ideal: ,,Jedem einen Platz in der Gesellschaft, und jeder auf seinen Platz.

Wer eine Position beansprucht, zu der er nicht berechtigt ist, muss bestraft werden." Bindung: ,,Ich habe den Status erreicht, den ich verdiene, und niemand wird ihn mir je wieder nehmen." Makel: ,,Ich fürchte mich davor, dass eines Tages mein Vater, meine Stiefmutter, meine Stiefschwestern oder die mysteriöse Alte, die mir die Kleider für den Maskenball des Herzogs gab, hier erscheinen und die Schande meiner wahren Geschichte enthüllen." ABENTEUER IN DEMENTLIEU Herzogin Saidras Geschichte ist ein verdrehtes Märchen, das seine Wurzeln in den Schrecknissen des modernen Lebens hat: Angst zu versagen und als Hochstapler „demaskiert" zu werden.

Wenn die Charaktere sich durch die angespannte soziale Szene von Port-a-Lucine bewegen, spielen sie die Echos vertrauter Märchen nach. Die grünen Vetteln in Krummgiebel können jedem Charakter als „Feenpatinnen" dienen und ihn für die Bälle der Herzogin einkleiden, doch die Vetteln verschenken ihre Wohltaten nicht. Ihre Geschenk sind an strikte Bedingungen geknüpft, beispielsweise den Ball vor Mitternacht zu verlassen oder andere Gäste zu demütigen.

Die Vetteln ruinieren gerne das Leben Sterblicher.Jeder Akt scheinbarer Freundlichkeit zielt auf dieses Ziel ab. Unter „Der Große Maskenball" findest du Vorschläge, wie Dementlieus vorzüglichstes gesellschaftliches Ereignis vonstattengehen könnte. Wenn die Abenteurer mit Leuten in Port-a-Lucine interagieren, stellen sie fest, dass alle Leute von Statusdenken besessen sind. Fremde in der Stadt sind eine unbekannte Größe, und man versucht rasch, ihren relativen sozialen Status zu sondieren.

Die Charaktere können ohne weiteres als Adlige durchgehen, vor allem,

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  • Abschnitt 2 Seiten 93–94